Schreie der Lust
Heute halten wir uns an eine der klassischen Meisterinnen, die sich um die Erotik in der Literatur bemüht haben:
Folgender Text ist entnommen aus: Les Nièces de la Colonelle, erschienen 1880. Verfasserin ist vermutlich die Comtesse de Manoury. Die Eindeutschung erschien 1926, aus dem Ort der Handlung (eine Strasse in Paris) wurde die Mommsenstraße in Berlin, aus Julia und Florentine wurden Agnes und Christine.
Aus Kapitel 6:
Das Mittagessen neigte sich seinem Ende zu. Der Diener hatte den Kaffee serviert, und sich vor einem Augenblick diskret zurückgezogen, um nicht wiederzukommen, ohne gerufen zu werden. Lachend erhob sich der Graf vom Tische, fasste Agnes um die Taille, zwang sie, sich zu erheben, und führte sei zu einem Divan des kleinen Salons, auf dem er sie in die Knie warf, so dass ihr Kopf sich in die Kissen grub.
Dann schlug er mit kundiger Hand die Röcke der jungen Frau zurück, wie man mit kleinen Kindern verfährt, die eine Tracht Prügel bekommen sollen, und ließ die weichen Falten des Hauskleides glockenförmig über Agnes' Kopf fallen. "Rühr dich nicht! Ich bin der Meister!"
Das Hemd folgte den Röcken, und zwei entzückende Rundungen tauchten aus der Flut von Batist und Spitzen auf . Erich riss eine lange Seidenquaste ab, die sich an dem Divan befand, und ging daran, seiner Freundin eine väterliche Züchtigung angedeihen zu lassen. Die Schläge wurden so sanft geführt, so genau auf die Stelle, die sie treffen sollten, dass sie nur angenehme Kitzel hervorriefen, den leidenschaftliche Küsse häufig unterbrachen. Agnes wollte sich zwar erheben, aber ein starker Arm hielt sie in der Stellung fest, und die Züchtigung nahm ihren Fortgang, Sie dauerte lange, bis zu dem Augenblick, da Erich sich vor Leidenschaft nicht mehr halten konnte, seinerseits von seinen Schenkeln die Kleiderhülle gleiten ließ und, den Divan erkletternd, sich über Agnes warf, um ihr, indem er sie mit aller langverhaltenen Glut durchbohrte, zu verstehen zu geben, das der Liebe nur eine Note zur Verfügung steht, wenn sie auch manchmal verschiedene Mittel verwendet, Dieses Mittel war neu und erschien ihr nicht von der schlechtesten Erfindung zu sein. Auch bei Erich war Stille eingetreten.
Agnes rührte sich nicht.
"Bist du tot, Liebling?", fragte er endlich.
"Nein, nein, im Gegenteil!"
Mit einem Satz erhob sich die junge Frau, Erichs Kleider rollten auf den Boden. Er beugte sich über den Divan, sein Hemd wurde von Agnes' linkem Arm geschürzt. Ihre zierlichen Hände schlugen ihn zuerst und umfassten ihn dann, Durch den Spalt seiner Schenkel zeigte sich das Werkzeug der Liebe. Während die junge Frau Erich schlug, streifte sie manchmal daran, und jenes schwelte sich neuerdings. Agnes bückte sich, fasste es zwischen ihre roten Lippen, rollte es in ihrem Munde und befeuchtete es mit warmem Speichel. Sie schien dieses reizende Spiel nicht enden zu wollen, als Erich mit rascher Bewegung sich umwandte, sie seinerseits erfasste, auf den Rücken warf und mit beiden Händen ihre Beine an sich zog und wie einen Gürtel um seinen Leib schlang. Auf den Knien vor sich, gerade in der Höhe ihrer Liebesgrotte, versenkte er sich wollüstig in diese, während er Agnes auf den großen Speigel wies, der vor ihnen stand. Sie erblickte die süsse, regelmässige Bewegung, die dem Liebesgerät ein erlesenes Hin und Her verleiht. In holder Leidenschaft riss Agnes die Spangen ihres Hauskleides auf, und ihr göttlicher Busen erschien zitternd vor Erregung und Lust. Erich führte über die kleine, rosige Knospe, die schelmisch das Köpfchen hob, einen liebkosenden, beweglichen Finger.
"O Erich, ich fühle, wie ich sterbe, sterbe vor Glück!"
"Und ich sterbe mit", erwiderte der junge Mann,
Ein Doppelschrei der äussersten Lust entrang sich den Lippen des Paares, und der Divan erhielt seine Liebestaufe, die ihm bis dahin gefehlt hatte. Ein paar Stunden später verlangte der Diener von Johanna ein gewisses Fleckenwasser, von dem die erfahrene Zofe einen Vorrat hielt, und die beiden Dienstboten tauschten ein vielsagendes Lächeln.